Stress lass nach: Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit

„Das wahre Gold der Zukunft ist die Gelassenheit“ sagt Trendforscher Matthias Horx. Das Gegenteil von Gelassenheit ist Stress. Genauer: Negativer Stress! Etwas, was uns, die wir perfektionistisch unseren Alltag durchtakten, in der Regel fremd ist. Stress ist zu einem der größten Gesundheitsrisiken in unserer schnellen, digitalen Arbeitswelt geworden. Dies ergab eine Untersuchung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Danach nehmen Leistungsverdichtung, Arbeitstempo und Zeitdruck ständig zu. Wie definiert man Stress und was genau macht dieser Stress wirklich mit uns?

Stress ist ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsanforderungen und unseren individuellen Möglichkeiten (wie Leistungsfähigkeit und Zeit), diese Anforderungen zu bewältigen. Wird dieser Widerspruch als bedrohlich oder gefährlich erlebt, löst das negative Gefühle wie Angst, innere Anspannung, Hilflosigkeit usw. aus und verändert körperliche Abläufe. Das ist Stress! Von jedem Menschen wird Stress anders wahrgenommen und verarbeitet. Was für den einen bereits schwer belastend sein kann, empfindet der andere einfach als Herausforderung oder Chance.

  1. Von Stress bekommt man graue Haare.“ Dieser Mythos ist bekannt. Fakt ist, dass Stress zu Haarausfall führen kann. Studien haben ergeben, dass sogar drei Monate nach einer Phase mit starkem und langanhaltenden emotionalem Stress das so genannte telogene Effluvium – also gesteigerter Haarausfall – auftreten kann.
  2. „Stress senkt die Solidarität.“ Der Ökonom Bruno Frey untersuchte in seiner Studie aus dem Jahr 2010 folgende Fragestellung: Wie verhalten wir uns, wenn es um Leben und Tod geht? Hierzu analysierte er den Untergang der Titanic (1912) und den Untergang der RMS Lusitiana (1915). Während die Titanic erst nach knapp drei Stunden sank und dort vornehmlich Passagiere aus der ersten Klasse gerettet wurden, ging die Lusitania schon nach 18 Minuten unter. Hier konnten sich am meisten die kräftigeren 16- bis 35-Jährigen retten. In Gefahrensituationen veranlasst das Gehirn die Freisetzung von Adrenalin. Fakt ist, unser Instinkt siegt und verdrängt sämtliche Solidarität.
  3. „Stress macht dick!“ Bei einem dauerhaft hohen Cortisolspiegel (Stresshormon) im Körper werden vermehrt Fettsäuren in den Fettzellen freigesetzt. Werden diese jedoch nicht durch ausreichende körperliche Anstrengung verbraucht, werden sie wieder im Fettgewebe eingelagert. Ein dauerhafter Cortisol-Überschuss kann eine erhebliche Zunahme des viszeralen (inneren und ungesunden) Bauchfettes bewirken.

Viele Menschen machen Stress an äußeren Faktoren fest und sind darin gefangen, diese ständig zu optimieren: Besseres Zeitmanagement, effizientere Freizeitgestaltung oder die ständige Optimierung der Ernährung werden verbissen betrieben. Studien zeigen jedoch, dass es sich eher lohnt, auf die inneren Faktoren zu schauen: Wie gestalte ich das Zusammenleben und die Verbindungen zu anderen Menschen. Denn vor allem der so genannte soziale Stress setzt den Menschen enorm zu.

Besser „Hier und Jetzt“ statt „Gestern und Morgen“

Soziale Unterstützung und positive zwischenmenschlichen Beziehungen und Verbindungen gelten im Beruf und ebenso grundsätzliche das ganze Leben lang als entscheidende Faktoren, die vor ungesunden übermäßigen Stressreaktionen schützt. Stress wird innerhalb einer wertschätzenden Unternehmenskultur besser verarbeitet. Hier werden Konflikte aktiv angesprochen und gelöst. Denn dort geht es nicht darum Macht über Andere auszuüben, sondern auf Augenhöhe zusammen zu arbeiten. Herrschen dagegen Rivalität und Ängste vor, führt das immer zu inneren Spannungen.

Nehmen Sie sich darüber hinaus ganz bewusst Auszeiten, z.B. mit Yoga oder Meditation und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Dann sind Sie im „Hier und Jetzt“ und wälzen nicht die Themen der Vergangenheit oder Zukunft, die zu Belastungen führen. Regelmäßige Praxis schenkt Ihnen Gelassenheit. Sie bekommen gesunden Abstand, die Probleme erscheinen kleiner. Es lohnt sich.