Konflikte unter Kollegen: Warum es besser ist Gefühle statt Gedanken auszusprechen

Dem Mitarbeiter Gerhard platzt der Kragen als seine Kollegin Regina um Punkt 17:00 Uhr den Rechner runterfährt und ihre Tasche packt. „Du gehst doch jetzt nicht, oder?! Du weißt schon, dass unser Bericht noch nicht fertig ist?! Das darf ich dann ja wohl alleine machen. Wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich von Dir ganz schön ausgenutzt!“

Ich fühle mich ausgenutzt ist ein Gedanke, kein Gefühl. Die Kollegin wird es als Vorwurf hören. Die kollegiale Beziehung leidet.

Wenn Sie Dinge ansprechen möchten, mit denen Sie nicht einverstanden sind und möchten gleichzeitig die (kollegiale) Beziehung nicht aufs Spiel setzen, empfiehlt es sich, echte Gefühle anstatt Pseudogefühle, d.h. Gedanken auszusprechen.

Mit Hilfe der vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation könnte der Mitarbeiter Gerhard folgendes zu seiner Kollegin Regina sagen:

„Regina, ich sehe, dass Du Deinen Computer ausgemacht hast. (Beobachtung) Ich bin gerade richtig sauer (Gefühl), weil mir eine gerechte Verteilung der Arbeitslast wichtig ist (Bedürfnis). Können wir bitte jetzt besprechen, wie wir in Zukunft mit gemeinsamen Abgabeterminen umgehen, so dass sich jeder von uns wohl fühlt dabei (Handlungsbitte an die andere Person)?“

Gerhard spricht seine Unzufriedenheit nun ohne Vorwürfe an. Eine gute Voraussetzung für ein konstruktives Lösungsgespräch.

Mehr Informationen zur Gewaltfreien Kommunikation finden Sie u.a. in der aktuellen GEO Wissen Nr. 59, Die Kunst zu streiten, S. 47.