Hauptsache Agil – und dann ab ins Chaos?

Wenn man sich als Unbedarfter mal mit dem Thema „Agilität“, agile Führung oder agile Teams beschäftigt, ist man danach um einige Theorien schlauer. Aber weiß man dann auch mehr? Was ich gelernt habe, sind die Bedeutungen von Begriffen wie „Scrum“, „Holografie“ und dass Selbstorganisation irgendwie ganz wichtig ist. Und das agiles Führen ja gar nicht möglich ist, weil das ja im engeren Sinne gar keine Eigenschaft des Führens ist. Man kann nur Führen in einem agilen Umfeld. Und letztendlich wird auch schon wieder in Frage gestellt, ob dieses neumodische Zeug überhaupt zu mehr Erfolg führt. Diese neue Herangehensweise für mehr Flexibilität und Umsetzung, dafür weniger Planung. Denn letztlich geht es auch im agilen Umfeld und in selbstorganisierten Teams am Ende des Tages darum, sein Produkt oder seine Dienstleistung wirksam zu verkaufen und Gewinne zu generieren.

Und um dauerhaft erfolgreich zu sein – und noch dazu mit zufriedenen Mitarbeitern – braucht es für mein Dafürhalten eine Unternehmenskultur, die echte Wertschätzung nicht nur als Werbeslogan in Hochglanz-Firmenbroschüren trägt, sondern diese Wertschätzung in der arbeitsalltäglichen Kommunikation und Führung tatsächlich lebt. Damit lassen sich Konflikte lösen: im Idealfall entstehen Konflikte erst gar nicht mehr, bzw. eskalieren weniger stark. Wie denn nun in selbstorganisierten Teams Konflikte gelöst werden sollen, habe ich bei meiner Recherche zum Thema nicht erfahren. Oder gibt’s die etwa in solchen agilen Unternehmen und Teams gar nicht mehr? Sensationell! Würde mich als Mediator allerdings schon überraschen.

Dass Konfliktkosten ein wesentlicher Kostenfaktor sind, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Schließlich gibt es dazu mittlerweile Studien, die diese Kosten quantifizieren. Und Konfliktkosten wird es auch in der agilen Welt geben: nur weil man Hierarchien abschafft verschwinden Konflikte nicht einfach so. Möglicherweise gibt es dann sogar mehr davon, weil die Konfliktlösungskompetenz der Beteiligten ja nicht einfach durch Einführung der „Agilität“ sprunghaft ansteigt. Solange wir in Teams mit anderen Menschen zusammenarbeiten bleibt für mich die Kommunikationsfähigkeit ein wesentlicher Faktor in der Zusammenarbeit. Vor allem auch in der Führungsaufgabe. Dabei können ganz „altmodische“ Tools wie z.B. aktives Zuhören oder gar so etwas wie Empathie helfen. Und die Mitarbeiterzufriedenheit wird sicher auch nicht alleine durch Selbstorganisation in ungeahnte Höhen steigen, denn auch in solchen Teams gilt es, die Mitarbeiter entsprechend ihrer Arbeitspräferenzen einzusetzen. Nur wenn sie langfristig überwiegend in ihrem Präferenzbereich arbeiten, werden sie dauerhaft zufrieden sein und gerne ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.